• Michael Wälti

Analyse der Bundesratskandidat*innen 2017: Pierre Maudet

Aktualisiert: Juni 9


Hier die letzte der drei Analysen der FDP-Bundesratskandidat*innen. Ich habe mich dabei auf die Körpersprache beschränkt und die politischen Inhalte ganz ausgeblendet. Die Analyse ergibt sich aus der Studie von mehreren Auftritten der Kandidat*innen in den Medien.

Pierre Maudet

Der Unternehmer-Hüne im Anzug. Sein starker Körper beeindruckt. Grosses, kantiges Gesicht, kräftiger Kiefer, riesige Hände, grosse Ohren, breite Schultern – ein Mannsbild, wie es im Buche steht. Dies wird gepaart mit einem pingelig sauberen Äusseren: Gelfrisur, rasiert, Anzug und gepflegte Haut. Hier haben wir Mr. Perfekt. Pflichtbewusst, angepasst und ordentlich – das ist der äusserliche Eindruck.

Passend zu seinem kräftigen Körper verwendet er kriegerische Gestik und Haltung. Sein Kinn ist beim Sprechen fast immer gesenkt. Das wird vom Zuhörer unbewusst als Drohgebärde aufgenommen: Der verletzliche Hals wird durch das gesenkte Kinn geschützt und zeigt „Angriff“ an. Seine Ellbogen sind weit nach aussen rotiert. So wird die harte Aussenseite des Körpers zur Abwehr präsentiert (einem Christoph Blocher nicht unähnlich). Die Hände ballt er beim Sprechen auch gerne mal zu Fäusten. Hier und da kommt ein befehlender Zeigefinger, der aber jeweils schnell wieder versteckt wird. Allgemein sehen wir einen angespannten Körper, der bereit ist, Argumente und Gegner zu zertrümmern. Maudet wirkt mit diesem grobschlächtigen Körper und der kämpferischen Gestik einschüchternd und nicht wie ein bundesrats-tauglicher Team-Player.

Sein Kampfesgehabe deutet aber auch Unsicherheit an. Jemand, der einen hohen Status besitzt und selbstsicher ist, wirkt aber entspannt. Geht dieser jemand in der Diskussion mit Maudet nicht auf dessen Kampfschema ein, würde Maudets Haltung vom Zuschauer als „sich bedroht fühlen“ interpretiert werden – Maudet würde schwächer wirken. Man stuft Maudet eher als Feldweibel ein und nicht als General.

Maudet’s Mimik scheint auf den ersten Blick lebhaft und vital, aber die Augen wirken angespannt und ausdruckslos – welche Emotionen verbirgt er? Seine Nervosität sehen wir z.B. daran, wie er beim Sprechen immer das Standbein hin und her wechselt. Er steht nicht mit beiden Beinen auf dem Boden – er ist zu angespannt. Wenn er mit Gegner*innen diskutiert, sehen wir stark zurückgehaltene Wut in seiner Mimik. Häufig zieht er die Augenbrauen hinunter, die Augen verkleinern sich und er presst die Lippen zusammen. Die Bewegungen deuten Wut an.

Der überstarke Körper und die Gestik überdeckt leider seine Intelligenz (Jemand, der sehr intelligent ist, muss nicht physisch kämpfen). Dabei wäre er sichtlich ein Denker und Grübler. Schon jetzt sieht man die Falten auf der Stirne vom ständigen hochziehen und zusammenziehen der Augenbrauen. Diese Falten entstehen durch Konzentration der Gedankenwelt

Zusammenfassend bin ich froh, dass Maudet nicht gewählt wurde. Maudet hinterlässt körpersprachlich den Gesamteindruck eines Einzelkämpfers, eines Unternehmers ohne Kompromiss. Er scheint jemand zu sein, der seine Autorität und den Kampf auch zu sehr geniesst, aber dabei noch unsicher ist. Dies sind nicht die richtigen Eigenschaften für einen Bundesrat.


kontakt

Michael Wälti

Müllerstrasse 4

3008 Bern

079 204 62 25

info@be-present.be

  • White Facebook Icon