• Michael Wälti

Analyse: Die Körpersprache von Christoph Blocher

Aktualisiert: Juni 9


Blocher muss man als einen der erfolgreichsten Politiker der Schweizer Geschichte bezeichnen. Unter ihm wurde die SVP zur stärksten Partei der Schweiz. Aber wieso ist dieser Mann so erfolgreich? Neben Rhetorik und Taktik, finden wir auch Gründe in der Körpersprache. Hier drei Charakteristiken Blochers und ein rätselhafter Gesichtsausdruck.

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Blochers Markenzeichen ist die Wut. Erkennbar durch die zusammengezogenen und gesenkten Augenbrauen, durch den stechenden Blick (untere und obere Augenlider angespannt), zusammengepresste Lippen, verwerfende und abwinkende Armgestik, zum Angriff gesenktes Kinn und hochgezogene Schultern. Die Wut verdeutlicht sich auch aus seinen lauten Ausrufen. Blocher lässt seinem Zorn freien Lauf. Damit wirkt er hemmungslos und das können sich nur Leute mit hohem Status leisten ohne zurechtgewiesen zu werden. In Diskussionen starrt er seinen Gegner*innen mit den stechenden Augen ins Gesicht. Er hält den Blick bis sich die Gegner abwenden. Sogar einen Roger Schawinski starrt Blocher nieder, obwohl Schawinski ein Kopf grösser ist.

2

Seine Armebewegungen weisen ihn als Stammtisch-König aus. Seine Handrücken sind immer abwehrend zum Gegner gedreht (bei ihm ist keine Kompromissbereitschaft zu erkennen – keine offenen Hände). Typisch für Blocher, die dazu auf Schulterhöhe kreisenden Arme, welche herausfordernd wirken: „Ist das alles? Hast du noch mehr?“. Ansonsten sehen wir die häufige politische Schimpfgeste: mit einem Arm vor dem Brustbein von oben nach unten schimpfen und hämmern. Blocher tut das im Rhythmus von Marschmusik. Die Ellbogen dreht er zur Abwehr immer weit nach aussen (präsentiert die harte Seite der Arme). Mit all seinem Gewicht stützt er sich auf Rednerpulte und Interview-Tische und markiert so sein Territorium. Bei Ansprachen steht er solide auf den Beinen und blickt direkt ins Publikum. Weiter sehen wir den belehrenden gestreckten Zeigefinger und die zum Kampf geballten Fäuste. Wie es sich beim Stammtisch gehört, klopft er auf den Tisch, hier aber mit etwas Zurückhaltung. Blocher zeigt also fast die Gesamtheit der menschlichen Gestik, die sich in hunderttausenden von Jahren entwickelt hat, welche Gegner zum Kampf herausfordert.

3

Im Gegensatz zu anderen Wut-Politiker*innen hat Blocher aber noch einen Trumpf: Er spricht langsam und verständlich, betont wichtige Wörter, macht Aufzählungen und strahlt dadurch Autorität aus. Er spricht spontan und ohne lange zu überlegen – dadurch wirkt er intelligent und sachkundig. Reicht das nicht aus, erhöht er die Lautstärke. Sogar in einer heftigen Diskussion verlangsamt er die Worte und senkt die Stimme tiefer – auch dies eine typische Überlegenheits- und Drohgebärde. Bei persönlichen Angriffen auf seine Person reagiert er nicht mit Wut, sondern lacht selbst-ironisch darüber und lässt seine Gegner*innen so ins Leere laufen. Blochers schwacher Körper macht ihn glaubwürdiger, ähnlich einer Angela Merkel. Ein General hat nicht Muskeln wie ein Soldat. Blocher lehnt sich im Stuhl häufig zurück und zeigt so Desinteresse und Dominanz. Diese Eigenschaften machen ihn fast unangreifbar.

Besonderheit

Blocher liebt die Auseinandersetzung. Egal wie heftig eine Diskussion ausfällt, auf seinem Gesicht und in seinem Körper zeigt sich keine Angst. In dem Sinn ist er der perfekte General, um die SVP anzuführen, ist aber ganz klar kein Politiker für die Exekutive, in der Kollaboration gefragt ist. All diese Eigenschaften habe ich bei meiner Analyse erwartet. Überraschend bin ich aber auf einen auffällig häufigen Ausdruck in der Mimik gestossen, welcher schwierig einzustufen ist. Er zeigt sich beispielsweise in diesem Bild:

Ganz deutlich und häufig zeichnet sich die Emotion von Trauer auf seiner Stirn ab. Decken Sie dazu den unteren Teil des Gesichts ab, so dass Sie nur die Augenbrauen und die Stirne sehen. Diese Stirnfalten (zusammen und nach oben gezogene Augenbrauen und horizontale Falten in der Mitte der Stirn) sind universell für die Menschheit und können in allen Völkern bei Trauer festgestellt werden. Ich glaube aber nicht, dass Blocher traurig ist bei seinen Ansprachen. Ein Erklärungsansatz wäre, dass Blocher häufig traurig ist (es also zu einer Stimmung wird) und sich deshalb diese Stirnfalten regulär in seine Mimik verfestigt haben (seine Baseline). Körperliche Schmerzen, von denen wir nichts wissen, könnten eine zweite Erklärung sein. Ein dritter Ansatz wäre diese Interpretation von Paul Ekman:

„Während die meisten Menschen ihre Rede durch das Hochziehen oder Senken der Augenbrauen zu unterstreichen pflegen, verwenden diese beiden Schauspieler [Jim Carrey, Wood Allen] häufig die Traueraugenbraue, um ein Wort zu betonen. Es lässt sie mitfühlend, warmherzig und freundlich erscheinen, was aber kein echtes Abbild dessen sein muss, was sie fühlen.“ (Ekman, 2003).“


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