• Michael Wälti

Augenblicke: Wie die Augen und der Blick kommunizieren, Teil 2

Aktualisiert: Nov 13


„Wer die Welt will recht verstehn, muss ihr klar ins Auge sehn.“, Friedrich von Bodenstedt

In unserer Sprache wimmelt es von Redensarten, welche die Wichtigkeit der Augen in der Kommunikation hervorheben: „Auge um Auge“, „die Augen vor der Realität verschliessen“ und „wenn Blicke töten könnten“ sind nur einige Beispiele von derartigen Ausdrücken. In der nonverbalen Kommunikation spricht man von den „Oculesics“, die Lehre des Verhaltens mit dem Blick (Eye-Behavior).

Teil 2: Richtung des Blicks

In einem Gespräch mit Bekannten oder Freunden wandert der Blick meistens in einem Dreieck zwischen beiden Augen und dem Mund, gelegentlich wird er abgewandt. Je intimer das Gespräch, desto mehr wird die Umwelt ausgeblendet und entsprechend weniger wird der Blick in den umgebenden Raum gerichtet.

Die Höhe des Blickes verändert sich, wenn sexuelles Interesse vorhanden ist. Der Blick wandert dann in einem tieferen Dreieck zwischen beiden Augen und dem Brustbein. Weitere Indizien wie das häufige Benetzen der Lippen mit der Zunge, ein verringerter körperlicher Abstand und wenn lange Blickkontakte gehalten werden , verdeutlichen den möglichen Aufbau eines Flirts.

Am Arbeitsplatz hingegen können niedrigere Blicke als die Mundhöhe fehl am Platz sein. Männliche und weibliche MitarbeiterInnen, welche den Blick zu tief wandern lassen, können einerseits belästigend wirken, andererseits werden sie so in einem direkten Gespräch weniger ernst genommen, da dieses Verhalten bei der anderen Person unbewusst als "flirty" taxiert werden kann. Die Sachlichkeit geht verloren. Wandert der Blick auf Brüste, Pos oder in den Schritt, wirkt das im Kontext des Arbeitsplatzes, wie er heute angestrebt wird, fast immer belästigend.

Hier ist der tiefe Blick irgendwie ganz passend

Die Blickhöhe spielt auch eine Rolle im Dominanzverhalten. Zwischen VerhandlungspartnerInnen wandert der Blick häufiger in einem Dreieck zwischen den Augen und einem vorgestellten dritten Punkt in der Mitte der Stirn. Zusätzlich kann man mit einem aggressiven Blick und stechenden Augen andere einschüchtern oder gar niederstarren, wie häufig bei PolitikerInnen zu beobachten ist.

Aber Dominanz kann auch durch Sozialkompetenz und Können / Wissen erreicht werden. In dem Fall wird im Gespräch Augenkontakt gehalten mit einem ruhigen, selbstsicheren Blick und der Körper wird auf die sprechende Person ausgerichtet.

Weicht jemand mit den Augen in einer Diskussionsrunde immer wieder nach unten aus, wird dies meistens als unterwürfig taxiert. Dabei kann der Blick nach unten auch nur auf Nachdenklichkeit hinweisen oder darauf, dass jemand zu wenig wortgewandt ist und nach Worten sucht.

Wie bereits im ersten Blog dieser Serie erwähnt, werden in Teilen Asiens und Afrikas direkte Blickkontakte bei einem Gespräch vermieden. Es gilt dort als respektlos und unhöflich, speziell im Gespräch mit Menschen, die einen hohen Status geniessen.

Ein gesenkter Blick auf den Boden vor einer Person gilt auch in Europa als Zeichen des Respekts und der Unterwürfigkeit (was z.B. von Bediensteten angewendet wird) oder als Zeichen der Demut. Sind wir an einer Beerdigung oder in einer Kirche, wird der Blick tief gehalten.

Der Tiefe Blick zeigt hier Trauer und Respekt an

Wenn wir lügen, vermeiden wir häufig Augenkontakt und senken den Blick dazu automatisch, in der Hoffnung nicht ertappt zu werden. Dies kann oft bei Kindern beobachtet werden: Bei einer Lüge verstecken sie die Augen, aber der gesenkte Blick verdeutlicht auch die höhere Rangordnung der Eltern. Bei Erwachsenen, die es nicht gewohnt sind zu lügen, kann das gleiche Verhalten festgestellt werden.

Und Sie? Worauf richten Sie Ihren Blick?


Hier geht's zum dritten Teil


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