• Michael Wälti

Augenblicke: Wie die Augen und der Blick kommunizieren, Teil 3

Aktualisiert: Juni 9


„Wer die Welt will recht verstehn, muss ihr klar ins Auge sehn.“, Friedrich von Bodenstedt

In unserer Sprache wimmelt es von Redensarten, welche die Wichtigkeit der Augen in der Kommunikation hervorheben: „Auge um Auge“, „die Augen vor der Realität verschliessen“ und „wenn Blicke töten könnten“ sind nur einige Beispiele von derartigen Ausdrücken. In der nonverbalen Kommunikation spricht man von den „Oculesics“, die Lehre des Verhaltens mit dem Blick (Eye-Behavior).

Teil 3: Unkontrollierte Impulse und das Lächeln

Was unser Körper ausdrückt, unterliegt nicht nur unserer bewussten Kontrolle. Zahlreiche Kommunikationssignale werden vom Körper automatisch ausgesendet, wie etwa das Erröten beim Schamgefühl. Im Falle der Augen ist beispielsweise die Weitung oder Verengung der Pupillen ebenfalls nicht willentlich möglich. Diese passen sich einerseits an veränderte Lichtverhältnisse an: Sie werden bei Dunkelheit grösser und bei Helligkeit kleiner.

Die Pupillen weiten sich aber ebenfalls, wenn wir einem Menschen begegnen, den wir sexuell attraktiv finden. Sie weiten sich ebenfalls bei Angst und generell in Situationen in denen wir etwas erblicken, an dem wir grosses Interesse haben. Wir nehmen diese Signale beim Gegenüber wahr, ohne es bewusst zu wissen. Wir sprechen dann nur vom „Funkeln in den Augen“ oder verwenden ähnliche Umschreibungen. Ausgenommen vom Drogenkonsum, gibt es aber keine Möglichkeit, die Pupillenweitung bewusst herbeizuführen.

Welches Auge wirkt sympatischer?

Das Blinzeln ist eine weitere Verhaltensweise, die nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt. Wir blinzeln regelmässig, um das Auge sauber zu halten. Der Blinzel-Reflex hingegen ist, gleich wie die Weitung der Pupillen, sehr alt und wird in den Basal-Ganglionen (unserem Ur-Gehirn) ausgelöst, ohne dass wir darüber nachdenken: Bei Gefahr für das Auge schliesst sich das Augenlied. Diese Beispiele sind jedoch noch keine Kommunikation. Die Frequenz des Blinzelns hingegen zeigt an, wie aufgeregt jemand ist. Ist jemand nervös, wird sich dessen Blinzel-Frequenz unbewusst erhöhen. Unbeholfene LügnerInnen werden ihre Nervosität durch mehr Blinzeln preisgeben, aber auch Personen, die unter anderer grosser Anspannung stehen. Das Blinzeln ist auch Teil des menschlichen Balzverhaltens: Mehr Blinzeln heisst mehr Erregung. Beim Orgasmus kann es sogar zum Augenflattern kommen und die Augen können sich nach hinten rollen (dies passiert sonst bei grosser Entspannung wie z.B. im Schlaf). All das kommuniziert die Genussempfindung.

Emotionen generell können authentisch sein und direkt ausgedrückt werden oder man kann sie stellen. Ein Beispiel dazu ist das echte gegen das gestellte Lächeln (non-Duchenne-Lächeln). Guillaume Duchenne war ein Neurologe in der Mitte der 19 Jahrhunderts und hat sich mit der Gesichtsmotorik auseinandergsetzt. Er hat zwei verschiedene Versionen des menschlichen Lächelns unterschieden.

Wir haben zwei Zentren im Gehirn, welche die Gesichtsmuskulatur bewegen können. Ein Zentrum reagiert nur beim Aufkommen von Emotionen und ist nicht willentlich gesteuert (kann aber im Ausdruck gehemmt werden – Emotionen werden kaschiert). Das zweite Zentrum liegt im zentralen Motorkortex und steuert die Muskulatur des Gesichts willentlich. Es lässt uns einerseits sprechen, in dem es die Artikulation des Mundes erlaubt, und zweitens lässt es uns Emotionen stellen, die wir nicht erleben. Bei einem authentischen Lächeln werden mehrere Muskeln betätigt und v.a. auch die Augenringmuskeln (die Augen werden zusammengezogen). Bei einem gestellten Lächeln werden meist nur die Mundwinkel noch oben gezogen und das Lächeln wirkt dann nur halb oder höflich. Es kann aber durch gezieltes Training erlernt werden, auch ein echtes Lächeln zu stellen, in dem die Augenringmuskeln bewusst mit kontrahiert werden. Bei einem natürlichen Lächeln werden auf natürliche Weise alle nötigen Muskeln kontrahiert. Es ist eine der wichtigsten menschlichen Kommunikationsweisen und kann schon beim Fötus im Mutterleib beobachtet werden.

Paul Ekman - einer der wichtigesten Experten im Gebiet der menschlichen Mimik - demonstriert ein volles und ein halbes Lächeln

Dies also das Ende der Blog-Reihe zur Verhaltensweise des Auges in der Kommunikation – halten Sie die Augen offen für weitere Blog Einträge zu anderen Themen.


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