• Michael Wälti

Besessen von Schönheit: Welche äusserlichen Faktoren machen Menschen attraktiv? Teil 3: Hüfte-Taille

Aktualisiert: Juni 19


Hast du dich schon mal gefragt, ob es objektive Kriterien gibt, die Menschen attraktiv machen? Oder denkst du, dass die Schönheit ausschliesslich im Auge des Betrachters liegt? Berechtigterweise wird heute das nomierte Schönheitsideal kritisiert. Unsere Gesellschaft wird der Vielfalt der menschlichen Form nicht gerecht und diskriminiert diejenigen, welche nicht dem Ideal entsprechen. Mit dieser Serie will ich Einblick geben, welche Normen uns durch die Evolution eingeprägt wurden und mit welchen Nutzen. Eines ist ganz sicher bewiesen: Attraktive Menschen haben es einfacher. Sie haben mehr Geld, mehr Sex und sind zufriedener. Attraktive Leute wirken auch glaubwürdiger und überzeugender. Das zeigen Ergebnisse in der Forschung bezüglich Körpersprache. Aber welche Faktoren können wir beeinflussen und welche sind einfach gegeben? Was ist attraktiv? Kann eine moderne Gesellschaft diese Barrieren der Äusserlichkeiten durchbrechen?

Faktor 3: Hüfte-Taille Ratio / Hüfte-Schulter Ratio

Welche Geschlechter würdest du diesen zwei Symbolen zuordnen?

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In den meisten Fällen ordnen wir das erste Symbol einer weiblichen Person zu und das letztere einer männlichen Person. Wir erkennen dabei die Form des Rumpfes (Becken bis Schultergürtel). Diese Vorstellung von der Körperform findet sich auch bereits in zahlreichen Höhlenmalereien:

Das Verhältnis des Tailleumfangs zum Hüftumfang bei Frauen und Männern (sowie Hüftumfang zu Schulterumfang bei Männern) ist ein weiterer Faktor, wie wir die Attraktivität einer Person bewerten. Interessanterweise ist also nicht Untergewicht oder Übergewicht ausschlaggebend, ob wir jemanden als anziehend wahrnehmen. Die Attraktivität von Übergewicht und Untergewicht unterliegen im Vergleich eher gesellschaftlichen, kulturellen Schwankungen sowie persönlicher Vorlieben. Bei der Hüft-Taille-Ratio aber spielt die evolutionäre Prägung eine Rolle und die ist unabhängig von Geschlecht (Frauen bewerten Frauen gleich wie Männer Frauen bewerten beispielsweise). Obwohl Männer in Eye-Tracking-Experimenten die weiblichen Brüste ansehen, bewerten Männer die Attraktivität nach der Ratio von Hüfte und Taille. Zahlreiche Studien belegen einen Zusammenhang von Gesundheit und Fruchtbarkeit mit dem Verhältnis Taille zu Hüfte.

Bei Frauen

Das Verhältnis, das von Frauen und Männer als am Attraktivsten bewertet wird, liegt bei Frauen bei 0,7 im Westen (während weltweite Schwankungen zwischen 0,6 und 0,8 liegen). Der Taillenumfang wird durch den Hüftumfang gerechnet. Forscher mutmassen, dass dieses Verhältnis einerseits eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Geburt ist und deshalb attraktiv. Andererseits zeigt eine neuere Forschung, dass dieser Wert auch auf Jungendlichkeit hindeutet, da sich das Verhältnis mit fortschreitendem Alter ändert. Der Wert 0,7 liegt ebenfalls nahe am Goldenen Schnitt, welcher ein universell attraktives Verhältnis für den Menschen darstellt – egal ob bei Lebewesen oder Objekten. Unsere Wahrnehmung unterliegt also auch mathematischen Regeln, welche sich über hunderttausende Jahre eingeprägt haben.

Die Ratio von 0.7 findet sich bei griechischen Statuen, bei Gemälden und wird auch heute am Attraktivsten gewertet: Bei Miss-Wahlen aller Jahrgänge waren ebenfalls diejenigen Teilnehmerinnen am Erfolgreichsten, welche diese Ratio aufwiesen.

Bei Männern

Bei Männern sieht es anders aus: Faktor 0.9 wird als attraktiv gewertet. Der schlanke Bauch deutet auf eine gute Gesundheit. Dies wird auch durch die Masse von Statuen, Models und Kunst bestätigt. Ist der Bauch breiter als die Hüfte beim Mann (ein Wert über 1.0), deutet das laut WHO auch auf eine schlechtere Gesundheit. Auch wichtig ist aber das Verhältnis von der Hüfte zur Schulter: Oberkörperstärke wird als attraktiv und gesund gewertet. Typisch: Es wurde viel weniger Forschung über die Attraktivität männlicher Körper gemacht als über weibliche Körper, was wohl auf einen Frauen- und Homosexuellen-Mangel in diesem Forschungsbereich hindeutet. Bestätigt wurde jedoch, dass Frauen bei Männern tendenziell weniger an der äusserlichen Attraktivität interessiert sind als Männer bei Frauen.

Abschluss zur Serie "Besessen von Schönheit"

Einige Worte über diese Serie: Mir war es wichtig, die evolutionären Zusammenhänge unserer Wahrnehmung aufzuzeigen, welche zu unserer oberflächlichen Beurteilung von Menschen führt. Ich hoffe, dass wir so unsere eigenen Urteile besser verstehen können und folglich diese weniger schwer gewichten. Ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, die diese Zusammenhänge versteht und niemanden diskriminiert, der oder die diese Normwerte nicht erfüllt.

Tatsächlich sind die Urteile immer davon geprägt, dass wir Gesundheit von potentieller Krankheit unterscheiden wollen. Der Motor der Evolution will, dass wir möglichst viele unserer Gene in die nächste Generation bringen. Gesundheit ist dabei ein Vorteil, weshalb das ein wichtiger Faktor bei unserer Partner- und Partnerinnenwahl ist. Heute wissen wir, dass Körperformen und Krankheit teilweise, aber nicht zwangsläufig in Zusammenhang stehen.

Damit beende ich diese Serie und neue Themen warten.


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