• Michael Wälti

Führen und Körpersprache: Teil 1 von 4.

Ob dich der machiavelli-inspirierte Vorgesetzte im Militär anschreit oder wenn dir dein alternativer Chef im Büro 2.0 einen Kaffee serviert: Führungspersonen haben verschiedene Stile. Wenn wir Menschen führen, müssen wir zwei entgegengesetzte Kommunikationskräfte in Balance bringen: Autorität und Liebenswürdigkeit (oder Freundlichkeit). Interessanterweise sind sich die körperlichen Ausdrücke dazu genau entgegengesetzt: Je autoritärer wir wirken, desto weniger freundlich und nahbar erscheinen wir. Wir müssen also wissen, wann wir welchen Ausdruck wie einsetzen. Das erfordert, dass wir als Führungspersonen dynamisch, kongruent und vielseitig sind. Andere Faktoren wie Expertise (Erfahrung und Wissen auf einem bestimmten Gebiet), Geld (Mittel, um Aktionen in Bewegung zu setzen), Ausbildungs-Status (Professor, Doktor), Geburtsstatus (Adelstochter ude.) und weitere Faktoren beeinflussen ebenfalls unser Empfinden für Autorität. Wir beschränken uns hier aber auf die kommunikativen Qualitäten. Autorität definieren wir hier als die Fähigkeit, als Führungsperson andere Leute zu beeinflussen und die eigene Meinung durchzusetzen. Über allem steht die Kongruenz: Die Empfänger unserer Kommunikation empfinden uns als unglaubwürdig, wenn das Gesprochene nicht im Einklang mit unserem visuellen und auditiven Eindruck steht. Unsere Kontrolle über den Körper ist jedoch meist nicht perfekt - einige Signale, welche unseren tatsächlichen Gefühlsstatus durchsickern lassen, werden zu den Empfänger*innen durchdringen. Darum sind Ehrlichkeit und Erfahrung bessere Voraussetzungen für Autorität als der Wille zur Kontrolle.

Was autoritäre Personen weniger tun.


Autoritätspersonen lächeln weniger. Würden sie mit Clint Eastwood darüber streiten, welche Route ihr reiten müsst? Das Lächeln ist ein ungeheuer vielseitiger Ausdruck und kann weit mehr kommunizieren als Freude. Wir benutzen beispielshalber das Lächeln auch, um ranghöhere Mitglieder unseres Umfelds zu erfreuen und zeigen uns dadurch unterwürfig. Eine Person mit Autorität lächelt deshalb weniger – die Person hat es nicht nötig, da sie andere Personen nicht erfreuen muss. Eine Führungsperson, die nie lächelt, wirkt aber sehr unangenehm und büsst dadurch Liebenswürdigkeit ein. Bei kurzen Arbeitsverhältnissen funktioniert dies, aber langfristige Arbeitsverhältnisse werden so verhindert. Bei den Geschlechtern gibt es einen Trend, dass Frauen häufiger und länger lächeln. Wird das zu viel, können Frauen in männerdominierten Wirtschaftszweigen an Glaubwürdigkeit einbüssen. Es wird unbewusst so aufgenommen, als möchten sie erfreuen und besänftigen (das gilt auch für Männer, die zu viel lächeln). Wir müssen zwar nicht immer einen Gesichtsausdruck wie Clint Eastwood tragen, aber es macht Sinn zu reflektieren, ob wir lächeln, nur um zu gefallen. Spannender Weise kann ein Lächeln aber auch die Funktion der Demütigung tragen: Lächeln wir mitten in einem Streitgespräch oder in einer Diskussion, wirkt das herabsetzend auf das Gegenüber (siehe D. Trump oder C. Blocher). Wir zeigen damit, dass wir uns ab der Argumentation der anderen Person amüsieren und sie nicht ernst nehmen. Wir können auch siegesgewiss lächeln. Somit muss immer der gesamte Kontext einer Situation einbezogen werden.

Würdest du dich mit ihm über den Weg streiten?

Zweitens machen Personen mit Autorität weniger Augenkontakt. Hier gilt das gleiche Prinzip, dass Leute in hohen Ämtern es weniger nötig haben, freundlich zu wirken. Augenkontakt kann eine Wertschätzung sein: Wir lenken unsere Sinne auf eine Person und erfassen sie. Wir nehmen die Person ernst und sind bereit für Kommunikation. Wenden wir unsere Sinne konsequent ab, lehnen wir ihre Kommunikation ab und das wirkt verletzend. Andererseits wirken zu lang gehaltene Blickkontakte von Menschen mit tieferem Status unterwürfig bis flehend. "Mirroring" kann helfen: Halten wir den Augenkontakt gleich lange, wie die andere Person es tut, werden wir tendenziell als gleichwertiger akzeptiert. Beim Zuhören können wir etwas mehr Augenkontakt halten als die sprechende Person. Achtung, verschiedene Kulturen haben verschiedene Sitten. In Afrika gibt es beispielsweise einige Stämme, in denen wir dem Stammeshäuptling nie direkt in die Augen sehen dürfen, weil das eine Verletzung der Hierarchie wäre. Mehr über die Augen findet ihr hier.


Drittens zeigen Autoritätspersonen weniger Emotionen. In Krisensituationen wollen wir von Menschen geführt werden, die nicht emotional entscheiden, sondern rational. Deshalb fühlen wir uns in unsicheren Situationen zu Menschen hingezogen, welche ihre Gefühle kontrollieren können. Bei einer ganz versteinerten Miene wirken Menschen aber unnahbar und verhindern eine menschliche Beziehung. Wenn wir die Emotionen sehen können, fällt es uns leichter eine Person einzuschätzen und Nähre entsteht. Sind Emotionen so stark, dass eine Person ausser Kontrolle wirk, erkennen wir der Person die Autorität ab. Emotionen lesen wir dabei einerseits vom Gesicht ab, aber auch die gesamte Körperspannung sowie die Stimme gibt über den emotionalen Zustand Aufschluss. Interessant: Unser Gesicht können wir besser kontrollieren als die Stimme. Meist hat sich eine Emotion bereits in unserer Stimme bemerkbar gemacht, bevor wir reagieren und kontrollieren konnten. Emotionale Intelligenz und Kontrolle gilt ebenfalls als ein Hauptanteil daran, wie intelligent wir eine Person einschätzen.

Bei Margaret Thatcher sieht man hier nur den Ansatz einer Emotion

Achtung: Ihr wirkt nicht unbedingt autoritärer, wenn ihr all das nicht macht, aber autoritäre Leute machen das. Abonniert den Blog und verpasst nicht den zweiten Teil! Und klickt unten auf das Herz für ein Like.


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